Folge 100, Die letzte Folge, Teil 7


[Klingeln

DÜBEL: Das muss er sein. Der Mann vom Radio.

BERND KRÜGER: Bin ich hier richtig bei Dübel?

DÜBEL: Wenn sie der Mann vom Radio sind.

BERND KRÜGER: Bin ich. Bernd Krüger.

DÜBEL: Bitte schön. Kommen Sie doch rein. Möchten Sie gern was zu trinken?

BERND KRÜGER: Nein danke. Offen gesagt, ich hab auch nicht allzu viel Zeit. Wir haben heut' Nachmittag noch eine Redaktionssitzung und da müsste ich dann wieder zurück sein.

DÜBEL: Ach, verstehe.

BERND KRÜGER: Herr Dübel, bestimmt haben Sie ja auch davon gehört. Der "Kleine Herbert" hat unseren Sender verlassen.

DÜBEL: Ja, das, das ist schade, sehr schade. Wirklich also, wie der immer die Leute am Telefon …

BERND KRÜGER: Ja, ja. Das, das war sehr lustig. Äh. Aber Glück für Sie. Wir haben nun ein freies Sendefenster und könnten uns da sehr gut vorstellen, dass Sie dieses eventuell füllen.

DÜBEL: Ja, aber gerne doch.

BERND KRÜGER: Die Frage ist jetzt nur, welche Art von Humor wir nun in dieses Fenster platzieren. Ich hab hier mal einige CDs von bekannten Comedians mitgebracht. Hier Atze Schröder, Michael Mittermaier, Otto Waalkes, Hennes Bender, was meinen Sie? Wem ähnelt ihr Humor am meisten?

DÜBEL: Ja, ähm.

BERND KRÜGER: Es ist ja so. Wir müssen das Ganze auch irgendwie vermarkten. Am besten mit Slogans wie "Dübels Geistesblitz - so lustig wie Dieter Nuhr" oder "Mehr Power als Rüdiger Hofmann".

DÜBEL: Ja nun, das ist ja auch nicht schwer.

BERND KRÜGER: Ja das mag sein, aber, wo sehen Sie sich denn so mit Ihrem Humor?

DÜBEL: Ja, ich, ich weiß nicht. Warten sie mal. Ich spiele ihnen am besten mal was vor. Ein Interview habe ich noch auf der Platte.

 

DÜBEL: Für viele ist es das erste Geräusch des Tages, welches meistens mit einem ohrenbetäubenden Schräpen (Dialekt: hochtönendes, unangenehmes Geräusch) den erholsamen Schlaf abbrechen lässt und den Alltag einläutet: Das morgendliche Klingeln des Digitalweckers. Während die meisten sich aber darüber freuen, dass sie dieses Geräusch nur einmal am Tag hören müssen, ist es bei Leuten wie Eberhard Bellmann anders. Herr Bellmann, für Sie sind diese Klingeltöne das tägliche Brot, oder?

BELLMANN: Das ist richtig. Ich bin professioneller Synchronsprecher für Digitalwecker.

DÜBEL: Ein Beruf, der noch weitestgehend unbekannt ist. Vielleicht erzählen Sie ein wenig, was Sie da so genau tun.

BELLMANN: Nun, es ist ja allgemein bekannt, dass die meisten Elektrogeräte direkt aus dem asiatischen Raum importiert werden. So eben auch unter anderem Digitalwecker. Äh, was die meisten aber nicht wissen ist, dass die Original-Wecktöne für den europäischen Raum weitestgehend ungeeignet sind.

DÜBEL: Das bedeutet?

BELLMANN: Dat ist doch meistens immer so'n leichtes Hafengeplänkel, nich'. Eben so'n Geräusch, was halt ausreicht, um so'n kleinen zarten Asiaten aufzuwecken.

DÜBEL: Und so was ist für unseren Markt eher ungeeignet?

BELLMANN: Na wat meinen Sie denn. Stellen Sie sich mal so'n Familienvater am Wochenende vor, nich'. Freitag abends Skatrunde mit den Kumpels, Samstagmorgen Wochenend-Einkauf mit de' Frau durch de' City, nachmittags mit de' Rotzplagen in de' Freizeitpark, abends Grillen mit den Nachbarn und am Sonntag dann Kaffeeklatsch bei Mutters 70. Geburtstag. Da ist der Mann fertig, nich'. Und jetzt bimmelt da am Montagmorgen um 5:30 Uhr ganz dezent mit "Kling-Klong – Hätten Sie eventuell Lust aufzustehen?" der Wecker. Da sach' ich Ihnen: Dat bringt nichts.

DÜBEL: Aber da kommen Sie dann ins Spiel?

BELLMANN: Ja, ja. Nich' ins Spiel. Ans Mikro komme ich.

DÜBEL: Und Sie sprechen dann die Wecktöne ein?

BELLMANN: So ist das.

DÜBEL: Ja können Sie uns vielleicht eine kleine Kostprobe ihres Könnens ..

BELLMANN: Ooh, na, eigentlich ja nich'. Da liegen ja auch Rechte drauf, Gema und so weiter. Aber ich will ma' nich' so sein.

DÜBEL: Das wäre sehr freundlich.

BELLMANN: Vielleicht kennen Sie den ja. Das ist der Fujenco 3000. Ganz bekanntes Modell aus den Achtzigern mit Beleuchtung und zwei einstellbaren Alarmzeiten. Mäck. Mäck. Mäck. Mäck.

DÜBEL: Holla. Da werd' ich morgens aber wirklich wach.

BELLMANN: Ja, oder der hier. Tütütütüd. Tütütütüd. Tütütütüd. Tütütütüd. Ist bekannt, oder?

DÜBEL: Mir liegt's auf der Zunge.

BELLMANN: Kavafuji 74/12. En Funkwecker mit automatischer Zeiteinstellung und acht Minuten Nachweck-Automatik.

DÜBEL: Interessant.

BELLMANN: Oder der hier. Trooot. Trooot. Trooot. Trooot. Ja?

DÜBEL: Ehm, da hab ich wohl grad en Blackout.

BELLMANN: Dat ist der Radiowecker 567i von Hihumchi. Damit hätte ich 1997 beim Treffen der Synchronsprecher für Haushaltsgeräte beinahe den Goldenen Ding-Dong bekommen. Wenn da nich' dieser Franz Bechler mit seiner bekloppten Türklingel zwischen gekommen wäre.

DÜBEL: Ach. Türklingeln werden auch von Synchronsprechern …

BELLMANN: Ja, ja. Aber das ist ja auch bestenfalls Kreisliga, was die sich da zusammen jaulen, nich'. Ich sach nur Dieter Hallervorden: Palimpalim, nich'. Seit dem Sketch, da ist die Türklingelbranche nur noch 'ne Lachnummer.

DÜBEL: Trotzdem hat Sie dieser Herr Bechler aber damals auf den zweiten Platz verwiesen.

BELLMANN: Aber da muss man auch fairerweise sagen, der hat wirklich was drauf. Und das ist auch 'en ganz alter Hase. Der hat damals noch in den siebziger Jahren Eierkocher besprochen. Hab ich übrigens früher auch. Kennen Sie den? Bröööööööööööö

DÜBEL: Nein, eigentlich nicht. Also vielen Dank für das Gespräch, Herr Bellmann.

BELLMANN: Nichts zu danken. Das war übrigens grad der Egg-Cooker 500 mit Antihaftbeschichtung und Wasserdosierer mit integriertem Ei-Pick.

DÜBEL: Ach was?

 

Transkription: Vera Ihrig

Anmerkungen:
Dialekt = Regional besondere Worte oder Aussprache. Werden nicht überall verstanden und sollten nicht so gesprochen werden. Im Text:
dat = das
nich' = nicht
de' = der
wat = was oder wie
sach' = sage
ma' = mal

Umgspr = Umgangsprache. Wird nahezu in ganz Deutschland verwendet und ist überall verständlich. Im Text:
so'n = so ein

Herzlichen Dank an Herrn Dübel für die freundliche Genehmigung, den Beitrag hier zu verwenden.



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Dübels Geistesblitz

Marcus Dübel und seine Sicht der Welt.




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